Ausbildung zum PzGren Ausbildungsblock 4 - Reservistenkameradschaft Ingolstadt

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Ausbildung zum PzGren Ausbildungsblock 4

Aktivitäten

Wehrübung beim PzGrenBtl 908 in Viereck/Kürassier-Kaserne vom 03.07.-05.07.2015

Tag1 und 2, Freitag und Samstag, 03.07.- 04.07.2015:
Abfahrt Bad Oeynhausen mit IC 2443 pünktlich um 0937. Es ist bewölkt und nicht mehr so heiß wie die letzten beiden Tage, aber schwül. Der Anschlußzug ICE 845 in Hannover verspätet sich um ca. 35min. Daher verpaße ich meinen fahrplanmäßigen Anschluß in Berlin Hbf. Hier treffe ich zu meiner Freude OL Lemler am Bahnsteig und so geht die Reise nun zu zweit weiter, und zwar erst um 1337 mit dem IC Richtung Ostseebad Binz. Kurz vor Prenzlau bleibt der Zug mitten auf der Strecke wegen Triebwagenstörung für eine halbe Stunde auf dem Gleis stehen. In der zweiten Klasse (mußte dies als Privatfahrt buchen, da die Servicestelle der Bahn den Erste-Klasse-Gutschein nicht anerkannt hat, da nicht vom Wohnort abgefahren wurde) ist es nun richtig heiß geworden, da die Klimatisierung anscheinend für die erste Klasse vorbehalten ist. In dieser Situation erhalten wir Besuch vom Kameraden Schulz, der sich von der ersten Klasse aus auf die Suche nach Kameraden gemacht hat und nun fündig geworden ist. Zusammen schwitzt es sich halt leichter. Die Ankunft in Pasewalk ist statt wie meinerseits geplant um 1417 erst um 1543 bei flauschigen 31°C. Nachdem wir unsere Ankunft schon vorab per Handy kundgetan haben, erwartet uns schon OSG Lehmann am Bahnhof. Wir werden schnurstracks zur Kaserne befördert und vor dem Unterkunftsgebäude abgeliefert. Wir sind die letztankommenden Teilnehmer, deshalb pressiert es etwas, d.h. die Ausrüstung pro Forma in die Stube verbringen, schnell im Stab bei OStFw Romann die Einschleusungsformalitäten erledigen und geschwind zurück. Es erfolgt eine kurze Einweisung zum Verpackungsplan Rucksack, Gruppeneinteilung (1.Gruppe zu 10 Mann unter Fw Schlüter und Stellv OSG Jesse) und Abmarschvorbereitung. Sodann mit den Kameraden Gesichtstarnung auflegen, Waffenempfang und Antreten vor dem Gebäude mit dem ganzen Gerödel. Hier erfolgt Übungsbeginn um 1800 mit Ausgabe der Lage und Munitionsempfang (3 volle Magazine). Feindliche Kräfte sind demnach bis in die Gegend von Torgelow vorgestoßen und müssen durch uns aufgehalten werden. Ziel ist es den Feind aufzuklären, zu bremsen und abzunutzen. Jede bietende Gelegenheit ist zu nutzen um besetztes Gebiet zu befreien. Es werden die Koordinaten zu unserem Gefechtsvorposten und zu unserem Versorgungsstützpunkt ausgegeben, ebenso die Parolen (Whiskey Charlie bis 2100, ab 2100 Romeo Bravo). Wir sind Foxtrott Sierra, die Kompanie Kilo Sierra. Die Verbindungsaufnahme untereinander am Tag ist durch Handzeichen Kopf-Brust und in der Nacht mit Rotpunkt (2mal lang, 2mal kurz) herzustellen. In Schützenreihe marschieren wir vom Unterkunftsgebäude an der Küche vorbei über den T-Bereich zum Nordtor hinaus auf den Standortübungsplatz Stallberg. Ich bin Nr. 5, vor mir ist Schulz, hinter mir Steudter. Wegen des ab der Kaserne möglichen Schußwaffeneinsatzes ist Gehörschutz befohlen, was aber die Kommunikation untereinander stark erschwert. Außerdem funktioniert das Erkennen und Kennen der Handzeichen nicht, dann wird es halt von vorne lauter. In der Nachmittagshitze wird einem noch ganz schön warm und das Gepäck und die Ausrüstung fördern noch die Transpiration. Bald ist der Griff zur Feldflasche ein geübter Handgriff. Entlang der Straße nutzen wir die geländemäßigen Vorteile, wie z.B. Straßengräben aus um unseren Anmarsch zur Abwehrstellung zu verschleiern. Wir gehen überlappend in Stellung und ich sichere zusammen mit Schulz Straßenübergänge und das weitere Vorgehen der Gruppe. Immer wieder Halt und Sicherung zur Orientierung bzw. um Geländeeinschnitte (Straßeneinmündungen, Waldschneisen) zu überspringen. Im Wald angekommen bilde ich mit Knaflic in einem bestehenden Graben die rechte Außenstellung. Um zu der Stellung zu gelangen war es notwendig, die letzten 50m wegen möglicher Feindeinsicht in tiefster Gangart und so schnell wie möglich zu überwinden um der Truppe Feuerschutz zu geben, falls notwendig. Hierzu wurde das unnütze Gepäck abgelegt. Nach Sicherung der Stellung durch die Gruppe war es meine Aufgabe das liegengelassene Gerödel nachzuführen. Da die Gruppe beim Beziehen der Stellung den Kardinalfehler begangen hat, im Angesicht des Feindes querzuverschieben, gibt es als Disziplinierungsmaßnahme die Aufgabe für jeweils 3 Mann einen Verwundeten zu bergen. Knaflic, Jesse und ich sollen den großen und schweren Böttcher mind. 50m weit schleppen. Mit der Sitzhaltung auf einem zu einem Ring gerollten Dreieckstuch geht es nicht lange gut, auch mit dem Gamstragegriff ist es für mich zu schwer, so daß Jesse dann den Kameraden mit unserer Unterstützung zur befohlenen Stelle trägt. Ich muß vor Anstrengung jetzt schon pumpen, und daß obwohl noch kein Feind dazwischen funkt. Ich werde danach als Nr. 3 eingeteilt die linke Außenflanke der Gruppe abzusichern und zu halten. Ein bereits bestehendes Schützenloch bildet meine Stellung, die ich noch weiter vertiefe, ausbaue und tarne. Diese Schanzarbeit dauert bis 2045. Wir sind in Erwartung eines bevorstehenden Feindangriffs, Gewehr und Spaten liegen zur Abwehr bereit. Der Gruppenführer geht die Stellungen ab und befiehlt Gefechtshelmbereitschaft und außerdem den Bau einer Ausweichstellung (2100-2130). Wegen der starken Verwurzelung ist dies mal wieder ein schwieriges und schweißtreibendes Unterfangen, hilft aber nichts, also durchhacken und schaufeln was geht. Im Anschluß holt mich Schmitz zusammen mit Böttcher und Steudter zur Streifeneinweisung ab. Der Weg führt vor der Stellung entlang des Waldrandes quer zur Feindrichtung ca. 600m nach Westen bis zum Umkehrpunkt und zurück und sollte je Streife 1-1,5h dauern. Es ist zwar Vollmond, jedoch ist es schwer bis fast unmöglich genaueres zu erkennen. Es ist sowieso geplant mehrere Horchhalte einzulegen um wenigstens Annäherungsgeräusche wahrnehmen zu können. Es bleibt uns nichts anderes übrig, da wir kein Nachtsichtgerät oder ähnliches zur Verfügung haben. Am Umkehrpunkt vernehmen wir beim Horchhalt plötzlich sich nähernde Stimmen. Unser Streifenführer Schmitz will dem vermeintlichen Feindspähtrupp einen Hinterhalt legen, dazu soll ich am Umkehrpunkt die Straße gegen Südosten sperren während die Kameraden den Spähtrupp in die Zange nehmen wollen. Ich liege in Deckung hinter einem kleinen Nadelbaum und versuche irgendetwas zu erkennen oder auszumachen. Der Vollmond scheint direkt von vorne und taucht alles in harte Schatten. Außer ein paar Knackgeräusche im schräg gegenüber liegenden Wald kann ich nichts wahrnehmen. Meine Aufmerksamkeit wird empfindlich durch die Horden von Stechmücken gestört, deren Gesurre meine Wahrnehmung vermindert. Nach einer schier endlosen Zeit, kommt Schmitz allein von hinten angepirscht und teilt mir den Fehlschlag unseres Unternehmens mit. Unser Versuch den Feind zu fassen hat sich als Luftnummer erwiesen, da sich kein Feind hat finden lassen. Die anderen zwei Kameraden wurden als Melder zum Gruppennest zurückgeschickt. Der angeforderte Melder ist nicht erschienen. So entschließen wir uns zur Rückkehr unter weiter Ausholung, da wir noch immer feindliche Kräfte zwischen uns und unserer Truppe vermuten und nicht plötzlich auf direktem Weg in eine Feuergarbe laufen wollen. Mit größter Vorsicht und Umsicht, mehreren Horch- und Orientierungshalten (nicht dass wir uns zur Oder verlaufen) bewegen wir uns Richtung eigener Stellung, welche wir endlich um 2400 aus Süden erreichen. Wir werden schon schmerzlich vermißt und erfahren später bei der Abschlußbesprechung, daß wir eigene Leute gehört haben. Unser Ausbleiben hat natürlich unseren Auftrag gefährdet, da nur noch ungefähr die halbe Mannschaft zur Verfügung stand die Stellung zu verteidigen. Leider wahr und ein dickes Minus. Wir legen uns zur Bettruhe nieder. Ich habe mir dazu ein moosiges Plätzchen ausgesucht, Isomatte drüber und mit voller Montur in den Schlafsacküberzug aus Goretex geschlüpft. Die Waffe vor mir in der mit dem Trageriemen verschlauften Hand schlafe ich ein. Fw Schlüter weckt mich um 0155. Ich soll zusammen mit Pankau die Kameraden Wech und Knaflic im Alarmposten ablösen mit einer Besonderheit: Pankau soll nicht mit mir zusammen in einem Deckungsloch liegen, sondern 10m weiter westlich in einem eigenen. Ich führe mit Wech das Ablösegespräch und Knaflic mit Pankau das andere. Die Parole ab 0200 ist nun Gulf Alpha. Zu meiner Ausstattung gehört nun ein DF und ein aufmunitioniertes MG. Ich überwache unter ständiger Spannung das Vorfeld, was mit dem DF zu meiner Überraschung besser geht als ohne. Die Sichtverhältnisse sind zwar mäßig, aber wegen des Vollmonds doch einigermaßen. Erstaunlicherweise bin und werde ich nicht müde. Ich darf erleben wie um ca. 0300 erst Dunkelheit bei Verschwinden des Vollmondes hinter den Horizont eintritt, während sich voraus der Himmel langsamer heller färbt. Ein neuer Tag bricht an. Die Ablösung erfolgt um 0345 und nun kann ich wieder ans Schlafen denken. Ich werde um 0500 durch Gewehr- und danach einfallendes MG-Feuer unsanft aus dem Schlaf gerissen. Kurz orientiert, Helm auf und zu den Kameraden in die Kampflinie geworfen. Der Feind hat sich im Schutze der vor der Stellung befindlichen Buschgruppe an uns herangeschlichen, wurde aber durch unseren Alarmposten rechtzeitig entdeckt und unter Feuer genommen. Ich kann einen Gegner erkennen, der entlang der Buschgruppe nach Osten retiriert. Ich versuche diese Bewegung zu stoppen, habe aber gleich nach einem Schuß Ladehemmung. Der Feind ist bis zur Beseitigung der Störung schon verschwunden. Nach dem Angriff haben wir Verfügungszeit für uns, die dazu genutzt wird zu Frühstücken und danach das Biwak bzw. seine Ausrüstung herzurichten. Auch treffen sich die Offiziere am Lager zur Besprechung. Ich erhalte den Auftrag, die rechte Flanke abzusichern, da ein Melder erwartet wird. Auf meinem Weg zur Stellung instruiere ich den Alarmposten, damit der nicht den Melder aus Versehen wegpustet. Eine Streife holt mich um 0700 ab, ich soll sie beim Empfang und Transport von Waffen und Munition unterstützen. Wir marschieren gemeinsam zum Versorgungsstützpunkt, an dem wir auch zwei AGDUS-PzFst 3 in ihren Transportröhren empfangen. Nach der Rückkehr im Lager ist es an mir eine geeignete Stellung für 2 Mann an der rechten Außenflanke zur Überwachung einer Straßenkurve zu erkunden und auszubauen falls erforderlich. Um 0730 habe ich eine passende, schon existierende Stellung gefunden, welche ich allerdings noch vertiefen und tarnen muß. Zum Schanzen habe ich gerade mal eine halbe Stunde Zeit, dann werde ich zurückbeordert um bei der Rückverlegung des Platzes der Gruppe, welcher zu nahe an den Stellungen liegt, zu helfen. Am neuen Standort liefert uns OSG Nagel noch die erforderlichen Speicherkarten und Batterien für die AGDUS-Panzerfäuste. Diese werden nun von uns sogleich gefechtsbereit gemacht und mit Hilfe der Prismenspiegel auf Funktion getestet (0830). Desweiteren ist ein in einer Stellung entdeckter Telefondraht zu entwirren um ihn als Alarmdraht von der Alarmstellung bis zum Lager nutzbar zu machen. Dem Hinweis des vorbeikommenden Kommandeurs entsprechend werde ich nun beauftragt die gelieferte Verpflegung am Versorgungsstützpunkt abzuholen, da diese in der prallen Sonne nicht besser wird. Auf meinem Weg dorthin, entdecke ich südlich des Wegs Soldaten im Unterholz, welche ich als eigenen Spähtrupp, der zu dieser Zeit losgeschickt wurde, anspreche, da ich nicht beschossen werde. Ich setze meinen Weg fort und lade mir am Verpflegungspunkt zwei Träger Wasser und eine Tüte Brot für die Kameraden auf. Auf dem Rückweg werde ich in dieser "militärisch nicht abwehrbereiten Situation" vom (Feind-)Kameraden Dewart gestellt und als Kriegsgefangener zum Spähtruppführer HFw Hopperdietzel geführt (0900). Die anschliessende Befragung ist ungezwungen, aber wenig aufschlussreich für die Kameraden der anderen Feldpostnummer. Ich gebe eine falsche Positionsbeschreibung des Lagers heraus und gebe sonst nichts preis. Auf das übliche Spielchen wie an den Baum fesseln, knebeln etc. wird verzichtet auf meine Zusage hin mich als Kriegsgefangenen zu betrachten und mich auch so bis zum Schluß der Operation zu verhalten. Ich werde weder durchsucht (hatte alle Dokumente, Parolen und eine Karte dabei), die Waffe wird mir belassen nur das Magazin gegen ein leeres getauscht. Der Gedanke die Gruppe irgendwie zu warnen ist ständig präsent, aber angesichts von feuerbereiten Nemschok, Kugler, Dewart und Hopperdietzel ist die Umsetzung gleichwie Heldentod. Also füge ich mich in mein Schicksal und werde von Saukel zum Versorgungsstützpunkt gebracht und mich selbst überlassen. Dort muß ich in "Gefangenschaft" aus der Ferne den anschwellenden Gefechtslärm mit anhören wie der Gegner meine Gruppe anscheinend gefunden hat und am Aufrollen ist. Ich bereue dann natürlich meine vorherige Entscheidung und wünschte mir ein eigene aufopferndere Haltung zur Warnung der eigenen Gruppe. Aber hätte-wäre-wenn ist auch schon vorbei, und so mache ich mich wenigstens nützlich und räume die restliche Verpflegung aus der Sonne in den Schatten. OLT Dubitzky, der zu seinem dort abgestellten VW-Bus marschiert, ist natürlich über Funk über meine Gefangennahme informiert und gibt mir die Weisung mich nicht in das momentane Spiel Angriff-Gegenangriff bzw. Wiedererobern der Stellung mit einzumischen, sondern zu warten bis man mich abholt bzw. ab 1200 selbstständig zur Truppe zurückzugehen. Meiner Ansicht nach wird aus der ersehnten ATN Panzergrenadier jetzt wohl nichts mehr. Aus lauter Frust mache ich das einfach Sinnvollste in dieser Situation: ein Schläfchen. Suchrufe der Kameraden schrecken mich aus meinem Halbschlaf auf und so kann ich um 1120 wieder zur Gruppe zurückkehren. Mein Haufen hatte bis dato keine Ahnung von meinem Verbleib und mutmaßte, daß ich mich beim Versorgungsstützpunkt geseilt habe. Von meiner Gefangennahme wußte natürlich nur die Leitung per Funk Bescheid und so durfte ich die ahnungslosen Kameraden in der Mittagspause (bis 1215) aufklären nicht stiften gegangen sondern in Ausübung meiner Pflicht vom Gegner kassiert worden zu sein. Ich erfahre, daß in meiner Abwesenheit der feindliche Spähtrupp unser Lager von hinten angegriffen hat. Die Gruppenführung hatte sich dann entschlossen zur besseren Bekämpfung des Feindes die Stellung aufzugeben was aber Ihrem Auftrag widersprach. Aber so gelang die Vertreibung des feindlichen Spähtrupps und die Rückgewinnung der verlorenen Stellung. Bei den Kämpfen gab es natürlich auch Verluste unter anderem auch den gegnerischen Spähtruppführer Hopperdietzel. Im Anschluß werde ich mit Pankau zur Sicherung des Lagers als Alarmposten eingesetzt. Das Lager wird dann abgebrochen und unser Gepäck am Versorgungsstützpunkt in den VW-Bus geladen (1300). Unser neuer Auftrag dreht den bisherigen Spieß um. Nun soll unsere Gruppe die feindliche Stellung bestehend aus zwei Bunkern erobern. Dazu können wir auf ein Unterstützungskommando (VW-Bus mit Prismenspiegel für AGDUS) zählen, das Ablenkungsangriffe fahren und uns die Umgehung erleichtern soll. Wir müssen weit ausholen, da ein direkter Weg keine Deckung bietet. Der Anmarsch (1315-1400) erfolgt entlang der Straße im Straßengraben bei brüllender Hitze, ich bin letzter Mann (Nr.10). Der letzte Wegteil führt uns in das Waldgebiet hinter der feindlichen Stellung. In der Bereitstellung warten wir auf das Ergebnis der vorgeschickten Aufklärer. Das per Funk verständigte Unterstützungskommando fährt seinen Ablenkungsangriff und wir gelangen näher an die feindliche Stellung heran. Die Sicht ist wegen der Bäume eingeschränkt, die Stellung liegt irgendwo vor uns auf bewaldeten Sandhügeln. Der Angriff läuft nicht flüssig, da unklar ist wer Angriffs- und wer Deckungsgruppe ist. Der Gegner erholt sich schnell von seiner Überraschung und feuert aus allen Rohren. Wir geben Unterstützungsfeuer für die linke Flanke, es ist von unserem Standpunkt aber kein Feind zu erkennen, aber die Luft wird dennoch mit Blei vollgepumpt. Anschließend ergeht der Befehl zum Angriff für meine Gruppe. Also Sprung auf und feuernd überwinden wir den sandigen Abschnitt vor dem feindbesetzten Hügel. Mitten im Sturmlauf werden wir jedoch vom Gegner beschossen und von L Günther als Ausfall aus dem Rennen genommen. Wir "Gefallenen" haben uns im Schatten zu sammeln. Das Ende (1500) läßt nicht lange auf sich warten, da mit mir die meisten Kameraden gefallen sind und die Stellung mit den Resten nicht mehr zu nehmen ist. Bei 38°C pausieren wir, trinken mittlerweile warme Getränke und Entmunitionieren bis um 1515 Antreten befohlen wird. Bei der folgenden Manöverkritik wird auch besonders meine Gefangennahme hervorgehoben (na toll) und L Günther zum OL befördert. Gott sei Dank müssen wir bei der Hitze nicht mehr zur Kaserne zurückmarschieren, sondern können mit den Bussen zur Liegenschaft zurückfahren (1600). Dort zunächst grobes Waffenreinigen von 1635-1715, da die Waffen morgen nochmal endgereinigt werden sollen, dann Verbringung in die Waffenkammer im Nebengebäude. Vor der Dusche noch Klamotten sortieren und Stiefelputz herrichten bevor es um 1800 endlich in die verdiente Dusche geht. Antreten vor dem Gebäude um 1900 mit anschließendem Marsch zum Grillplatz direkt neben dem Sportplatz. Hier erfolgt meine Beförderung (die erste nach 21 Jahren) zum SG zusammen mit den Kameraden Saukel, Henning und Pankau vor versammelter Mannschaft. Danach heißt es Bierfrei, gesponsert durch den ebenfalls frisch beförderten OL Günther. Es gibt Grillfleisch und -würste und endlich kann man sich zusammensetzen und das Erreichte feiern. Wir Panzergrenadieraspiranten werden um 2100 nochmal zum Antreten gerufen und sammeln uns neben dem Grillplatz  vor einem langgezogenen, abgesenkten Bereich. Es folgt nun die Weihe zum Panzergrenadier. Ein brusthoher, in den Boden gesteckter Stab vor dem trichterförmigen Spalier der altgedientenPanzergrenadiere bildet das Szenario. Einzeln werden die Anwärter aufgerufen mit der Stirn auf der Stabspitze aufgestützt diesen 10mal zu umrunden und dann durch das Spalier zur Verleihung der Panzergren-ATN und der grünen Litzen zu schreiten. In der Theorie simpel in der Ausführung furchtbar und komisch, da die Kameraden wegen des Schlafmangels und des ein oder anderen Bierchens nach der Umrundung des Stabes leichte Orientierungs- und Standprobleme haben. Auch ich finde den Trichtereingang (sog. Heckklappe) nicht und torkle links vorbei, die hilfreichen Kameraden bugsieren einen dann schon unter Abklatschen an den Ort der Bestimmung. Hier stehe ich noch schwankend vor dem Kompaniechef H Held und meinem Gruppenführer Fw Schlüter, erhalte meine eingerahmte Urkunde zur bestandenen ATN Panzergrenadier überreicht und mit Freuden werden mir die "falschen" Pionierlitzen mit dem Messer entfernt und die "richtigen" grünen aufgebracht. Im Anschluß darf ich mich in das Spalier der Panzergrenadiere einreihen und die restlichen Kameraden gebührend im Kreise der Panzergrenadiere empfangen. Es folgen noch die obligatorischen Abschlußfotos und dann wird weitergefeiert. Das Wetter war uns bis dato hold und erst wie ich zu Bett gehe (2330) regnet es gewittermäßig.


Tag3, Sonntag, 05.07.2015:
Das Wecken um 0600 besorgt OSG Nagel mit seinem Jägerhorn. Der wunderschön sonnige Tag beginnt nun endlich wieder mit Körperpflege und Frühstück von 0700-0730 in der Truppenküche. Die gestern grob gereinigten Waffen werden bis 0930 sauberst gereinigt und dann wieder zurück in die Waffenkammer verbracht. Die Panzergrenadierneulinge haben dazwischen Zeit bei OStFw Romann im Stab ihre Unterschriften zu leisten und ihre Urkunden abzuholen. Danach ist Revierreinigen angesagt, diesmal mit weniger Aufwand, da ja nur eine Nacht benutzt. Da einige Kameraden ihre Fahrt eher antreten wollen und dürfen, nutze ich diese Möglichkeit auch und lasse mich von OSG Lehmann zum Bahnhof bringen (1043). Mein Zug um 1048 fällt aber leider aus, auf Grund des fehlenden Handyempfangs in der Kaserne konnte ich dies nicht vorher prüfen. In der Zeit hätte ich mich lieber ausgiebiger von den Kameraden verabschiedet. So erwarte ich die Ankunft der Zug fahrenden Kameraden OL Manter, OL Lemler, OSG Hoffmann, OSG Steudter und SG Schulz. Zusammen geht es mit dem Regionalexpress 18311 um 1150 nach Berlin weiter. In dem überfüllten Zug ist kein Sitzplatz mehr vorhanden und so verteilen wir uns auf den Fluren. Ich steige in Berlin Gesundbrunnen aus, die Kameraden fahren bis Berlin Hbf weiter. Mit dem ICE 1613 fahre ich bis Nürnberg, welches ich wegen mehrerer Verzögerungen und Halts auf der Strecke erst mit 50minütiger Verspätung erreiche. Wenigstens funktioniert die Klimaanlage in der 1.Klasse. Durch Verzögerung aufgrund des Wartens in Nürnberg auf den Ersatzlokführer erreiche ich Ingolstadt Hbf erst um 2040.


Fazit:
Meine Reise in den Norden hat sich für mich auf alle Fälle gelohnt. Ich durfte wieder teilhaben an dem großen Mysterium Bundeswehr, alle körperlichen und emotionalen Höhen und Tiefen durchleben, die lang vermißte Kameradschaft neu erfahren und als abschließende Krönung die ATN Panzergrenadier mit gleichzeitiger Beförderung zum SG erhalten. Mich erfüllt mit Stolz die Honorierung meiner erbrachten Leistung durch die Truppe sowie Genugtuung darüber den eigenen Schweinehund bei der Zusage zu dieser Ausbildung und den damit verbundenen Anforderungen überwunden und durchgestanden zu haben.
Ich kann allen Kameraden, die auf der Suche nach Vergleichbarem sind, empfehlen sich bei 908 zu melden und dort die eine oder andere Wehrübung abzuleisten. Stellt euch wie ich den Herausforderungen, ihr werdet es nicht bereuen, denn dieser Haufen ist es wert.
Mein Dank gilt den Kameraden für ihre Unterstützung und Nachsicht für mich Wiedereinsteiger. Ihr habt es mir leicht gemacht mich mit Engagement und Enthusiasmus dieser Ausbildung zu widmen und habt wegen meiner Fehler und Unzulänglichkeiten kein großes Aufheben gemacht und mich wieder zurück auf Spur gebracht.

Deswegen euch ein Dreifaches
Panzergrenadiere...
DRAN-DRAUF-DRÜBER



Wolfgang Reitzer


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