Ausbildung zum PzAbwschützen III - Reservistenkameradschaft Ingolstadt

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Ausbildung zum PzAbwschützen III

Aktivitäten
Ausbildung zum PzAbwschützen MILAN Teil 3
beim PzGrenBtl 908 in Hagenow 29.06. - 01.07.2018

1. Tag, Freitag, 29.06.2018:
Der Tag fängt ja gut an. Es ist dicht bewölkt und mein ICE886 wird durch einen anderen ICE (2902) ersetzt, der 20min später eintrifft. Toll. Mal schauen wie es weiter geht. Ab Würzburg ist es sonnig und bleibt auch so. Im Zug wird es warm. Hamburg Hbf erreiche ich gegen 1210.
Der RE1 nach Schwerin wartet schon ein paar Gleise weiter. Hier im Bahnhof herrschen schon recht sommerliche Temperaturen. Dagegen können die paar kleinen Wolken am Himmel auch nichts ändern.
Ab Hamburg fahre ich in Begleitung eines Kameraden aus Löhne weiter. Um 1332 steigen wir an unserem Zielbahnhof Hagenow Land aus. Auf dem Bahnsteig treffen wir HFw A. in Zivil und L D. an, die im gleichen Zug in der zweiten Klasse mitgefahren sind. Bis 1350 müssen wir auf den KvD warten.
Die Ankunft in der Kaserne erfolgt ca. 1412 bei 24°C und ein paar Schleierwolken. Unser Block ist Geb. 14 wie letztes Jahr. Wir laden unser Gepäck im Gemeinschaftsschlafsaal für den MILAN-Zug im 1.OG (Unterrichtsraum 202) ab und gehen ein Stockwerk höher zum Einschleusen (1420-1430). Das ging ja wider Erwarten recht schnell.
L A. läßt um 1450 vorhandene Soldaten vor dem Gebäude antreten (ca. 15 Mann) und teilt ohne Rücksicht auf die Zugzugehörigkeit in zwei Gruppen ein und zwar in Karte-Kompass und in Vortrag Sperren unter H K.. Da dieser jedoch noch nicht anwesend ist, warten wir solange bis SFw M. eintrifft (1505) und den bisherigen Befehl widerruft.
Seine Anweisungen für den MILAN-Zug erfordern das Anlegen des Gefechtsanzuges und den Abmarsch zum AGPG (Ausbildungsgerät Panzergrenadierzug). Abmarschzeit zum Geb. 42 ist 1525. Zugführer SFw M. kontrolliert zuerst die Anwesenheit seiner Soldaten bevor er an SFw N.  zur Ausbildungseinweisung übergibt.

Lage:
Ein mechanisiertes FeindBtl stößt auf der A24 von Osten Richtung Westen nach Wittenburg vor. Zur Absicherung der Flanken treibt der Gegner Kräfte Richtung Süden vermutlich StOÜbPl Hagenow vor und erreicht Helm 291430Bjun18.
Auftrag:
Gefechtsbereitschaft Milanzug bis 300830Bjun18 herstellen
Sofortmaßnahmen:
Ausbildung Milan abschließen bis 292100Bjun18
Verlegebereitschaft bis 300730Bjun18

Für den Beginn der Ausbildung werden noch zwei Rucksäcke benötigt, die Fj L. und ich aus der Unterkunft besorgen sollen. Den Rückweg mache ich allein (1620), da L. den frisch eingetroffenen S. zurück begleitet, da der sich hier noch nicht auskennt und sein Gepäck erst abladen muß.
Mit SU H. probieren wir als erste Gruppe im Gefechtsanzug verschiedene Tragweisen der Milanbaugruppen aus. Es stellt sich heraus, dass es sinnvoller ist, in einen halbgepackten Rucksack, die beiden Ersatzbatterien und die Kabeltasche unterzubringen und unterhalb der Rucksackkappe das einsatzbereite SVE mit Kabel zu befestigen. Das kleine Dreibein wird außen in die vorhandene kleine Schlaufe gesteckt und in den Zurrgurt verspreizt. Außerdem hat der Ladeschütze noch das große Dreibein und einen LFK zu tragen. Der Richtschütze schultert das Waffenoberteil über den Trageriemen, dieser muß jedoch passend eingestellt sein sonst schlägt die Waffe beim Laufen gegen den Oberschenkel. In den Händen trägt dieser noch den MIRA-Koffer und den zweiten LFK (den wir hier nicht hatten).
Nun gilt es einmal um das Gebäude herum zu laufen (ca. 100m) um auf der anderen Seite zum Tor wieder ins Gebäude zu gelangen. Hier müssen wir die Waffe jetzt aufbauen. Zuerst stellt H. das große Dreibein auf, während ich den MIRA-Koffer aufklappe. Das kleine Dreibein folgt als Nächstes, dabei muß darauf geachtet werden, daß es richtig auf dem großen Dreibein sitzt. Dies erreicht man am Besten indem alle Beine des kleinen Dreibeins komplett gespreizt werden und dann zuerst das Richtungsbein arretiert wird. Beim Aufsetzen des Oberteils ist Ruhe zu bewahren und beim Aufsetzen der MIRA darf ebenfalls nicht gehudelt werden. LFK aufsetzen, SVE anschließen und fertig nach 3:49min. Danach sind die anderen Paare dran.
Dafür das wir die Ersten waren und die anderen aus unseren Fehlern lernen konnten nicht schlecht, aber natürlich noch verbesserungswürdig. Die Schnellsten waren mit 2:05 U L. und U B.. Nach einer viertelstündigen Erholungspause wird gegen 1730 vor dem KpChef H M. angetreten und im Anschluß zu Abend im gleichen Gebäude in dem wir soeben geübt haben verpflegt. Es gibt Linseneintopf mit einer Wiener und Semmel, als Nachtisch Vanillejoghurt. Obst ist auch da.
Als es mit der Milanausbildung um 1815 weitergeht hat es noch immer 24°C. Der komplette Zug erhält nach Einteilung der Gruppen im AGPG (Ausbildungsgerät Panzergrenadierzug) durch SFw P. eine fünfminütige Einweisung. Ich gehöre zur ersten Gruppe mit drei Kameraden. Zusammen mit S. bilde ich Charlie 1, während L. und B. Charlie drei im Nachbarsimulator bilden. Im Wechsel zwischen Richtschütze und Milanschütze schießen wir die Übungen 5-7 und nach Planänderung gleich auch die restlichen Übungen 8-10 von 1830-2030. Bei beiden Übungsreihen sind die Landschaften unterschiedlich. Ich gebe sowohl bei der Ersten als auch bei der Zweiten zuerst den Milan- und dann den Richtschützen ab.

Zuerst kommt ein Panzer links am Waldrand in Zufahrt (leichtes Ziel), dann ein Panzerfeind von rechts in langsamer Querfahrt auf fast maximaler Entfernung und zum Schluß KPz von links in schneller Querfahrt.
Gleich bei der ersten Querfahrt lasse ich mich noch von der Leitung überzeugen, den Panzerfeind nicht gleich auf größte Entfernung zu bekämpfen. Als ich jedoch den ersten LFK ins Ziel lenken will, verschwindet der KPz hinter einer mir bis dahin nicht erkannten, weil gleichfarben wie Hintergrund, sandfarbenen Stellung. Der LFK detoniert genau an diesem Wall. Dieser Fehler passiert mir kein zweites Mal und so bekämpfe ich den Feind ab sofort auf weiteste Entfernung. Dies ist mein einziger Fehlschuß an diesem Abend. Bei den Querfahrten erwische ich das Ziel teils mit dem letzten Zucken am Heck. Hauptsache Treffer.

Als Richtschütze muß ich mich vorab von S. einweisen lassen, da mir dies bis dato unbekanntes Gebiet ist. Er erklärt mir die Handhabung der Griffe (Schwenken und Drehen), das Einstellen der Optik mit Nähe und Ferne, Verschließen der Sichtschlitze, Hauptschalter ein/aus, Gradmesser Turmdrehung und Anzeiger BMK-Neigung.
Im Endeffekt genügt es über die Panoramasicht das Gelände zu überwachen und den Kameraden vor auftretenden Feind zu warnen und die BMK abgeschwenkt zu lassen z.B.: "Achtung Panzerfeind von rechts vom Kusselwald in langsamer Querfahrt" oder "Achtung feindlicher KPz in Zufahrt am linken Waldrand".
Wir vier Soldaten sind heute die Einzigen, die die Simulationsübungen absolviert und erfolgreich bestanden haben. Außerhalb der Container ist es angenehm kühler geworden.
Um 2100 wird beim Gebäude 27 zum Rückmarsch angetreten. Kurz nach dem Eintreffen in unserem Schlafsaal 202 im Unterkunftsgebäude 14 erfolgt 2115 Dienstunterbrechung. Dann zum Duschen ins Gebäude 13 gleich gegenüber. Im Bett 2330 mit Ohropax.

2. Tag, Samstag, 30.06.2018:
Aufstehen um 0556. Ich bin zwischendurch schon öfters wach, da es in der Nacht bei geöffnetem Fenster doch recht frisch geworden ist und ich dann doch den Schlafsack gut gebrauchen konnte. Hinauf ins 2.OG in den Vorraum vom Herren-WC zum Waschen und Rasieren. Dafür habe ich keine Lust rüber zum Nachbargebäude zu laufen.
Es kündigt sich ein schöner, heller und warmer Tag an. Frühstück 0645-0715. Zurück im Unterkunftsgebäude Gerödel aufnehmen und zum Geb. 27 zum Antreten (0730). Ich werde SFw H. mit weiteren vier Kameraden zum Aufbauen der MILAN-Stellungen zugeteilt. Mit der Pritsche bringen wir 3 AGDUS-MILAN zur Schießbahn raus (0752). Dort bauen wir an einem existierenden Grabenstellung die erste MILAN-Stellung auf. Dazu fertigen wir Stellungsskizzen an und üben das Alarmpostengespräch nach PAGNAAPPFF (0830).

Bis 0900 bauen wir 50m weiter an der Spitze einer Gebüsch- und Baumreihe die zweite MILAN-Stellung auf. Die ankommende nächste Gruppe löst uns ab. Unter Mitnahme von Gerät rücken wir zum SIM-Zentrum ab (0915). Dort Ablage Gerät und Weitermarsch zum AGPG Geb. 42 (0925).
Bei der Einweisung von H. und N. im Simulator stellen wir fest, daß N. wegen seiner Größe nicht auf den Richtschützenplatz paßt. Daher übernehme ich für H. die Tätigkeit des Richtschützen bis 1015. S. macht das Gleiche für N. im anderen Simulator (C3).
Dort ist das Terrain schwieriger, da hier mehrere Stellungen in der Schußbahn stehen und die Übung mit mehreren Störern abläuft. Respekt. H. hat zwei Fehlschüße, dafür einen Kunstschuß durch die Baumgruppe. Wir zwei beide haben eine Mordsgaudi über Funk und harmonieren super zusammen.
Übungsnachbesprechung bis 1045, dann zurück zum Geb. 27 und gleich weiter zum Mittagessen in der Kantine (1100-1135). Zurück zum 27er und ab 1230 zur Station MILAN auf der Schießbahn.
Fahre mit L. die Schießbahn ab als Einweisung für die Zieldarstellung. Dann fahre ich mit dem Peugeot als Ziel die Strecke auf- und ab bis 1345. SFw H. kommt und wir müssen einen Fahrzeugtausch durchführen. Nach einer Pause, in der ich die MILAN-Reflektoren am MB Vito anbringe, komme ich endlich selbst zum Zug und kann auf ein fahrendes Ziel mit der AGDUS-Milan schießen. Die Freude dauert nur kurz, da an beiden Waffen die Batterien ausgetauscht werden müssen. Dann kann ich wieder schießen und es klappt erstaunlich gut (bis 1515).
Das Wetter ist schon zu warm bei 25°C. Rückmarsch zum SIM-Zentrum mit SU W., H. und N.. Ab 1545 werde ich als Richtschütze bis 1640 eingesetzt. Bei N. gibt es mehr Probleme mit abhauenden LFK, liegt aber an dem gewähltem, vertikalen 40-Strich-Verfahren.
SFw G. wird am Schluß mit einem Zuckerl belohnt in Form von 5 Störern und einer dahinter liegenden Querfahrt. Die Aufgabe wurde einwandfrei erledigt. Noch einmal muß ich als Richtschütze für S. ran (1645-1700), der als Nachzügler anrückt. Dann ist Schluß,
Antreten vor Geb. 27 und Rückmarsch zum Block (1734). Dort die kurze Erholungspause genutzt und den Schuhputz hergerichtet. Ab 1825 erfolgt das Antreten hinter dem Gebäude mit Beförderungen bis 1845.
Im Anschluß der Bataillonsabend mit Grillen und Bier bei schöner Unterhaltung mit den Kameraden. Im Bett 2315.

3. Tag, Sonntag, 01.07.2018:
Aufstehen 0545. Zum Waschen, anschließend anziehen und Gerödel verpacken bis 0620. Das Wetter präsentiert sich kühler und durchgehend bewölkt. Frühstück 0635-0705. Rückbau des Schlafsaals in den ursprünglichen U-Raum, dazu alle Gepäckstücke und die Klappliegen nach unten in den Windfang getragen.
Antreten Milanzug um 0800 zur Aufgabenverteilung. Kehre den Flur 2.OG und schleuse um 0830 aus. Dabei erhalte ich von SFw H. den Auftrag statt des Waffenreinigens im SIM-Gebäude zusammen mit U E. als MKF die Fahrzeuge zu tanken und zu reinigen, damit diese morgen abgesteuert werden können. Da aber OLT S. dies erst für 1000 vorgesehen hat unterstützen wir bis dahin die Kameraden beim Waffenreinigen (nehme mir dabei ein MG vor).
L. und K. nehmen mich im Widder zurück zur Kompanie, wo ich um 1010 den Widder übernehme. Bis alle Fahrer ihre Fahrzeuge zugewiesen und übernommen haben dauert es noch bis 1030, erst dann kann mit vier Fahrzeugen zur Tankstelle in Hagenow gefahren werden. Ich fahre Spitze, da ich die Tankstelle als Einziger schon einmal angefahren habe und daher den Weg kenne.
Auf meinem Fahrzeug habe ich noch zwei Kameraden an Bord, die sich um das Saugen und Reinigen des Fahrzeuges kümmern, desgleichen bei den anderen Fahrzeugen. Zuerst zum Tanken, brauche nur wenig Sprit. Ist wohl nicht viel bewegt worden. An der Tankstelle kann ich ohne Probleme auf Karte Waschmarken und Kleingeld für die Staubsauger auch für die übrigen Fahrzeuge buchen. Zum Aussaugen und zum Hochdruckreinigen im Wechsel mit den anderen Kameraden. Gleich nach Rückkehr in der Kaserne zum Mittagessen (1115-1130).
Es pressiert, da das Antreten 10min eher um 1135 hinter dem Gebäude stattfinden soll. Dabei wird K. für seine Verdienste in zehn Jahren 908 geehrt und entlassen. Der Kamerad wechselt zu den Aktiven beim Panzergrenadierbataillon 122 in Oberviechtach ab September. Das Antreten endet um 1155 und wir Bahnfahrer werden vor den Block zur Abfahrt befohlen, da unsere gemeinsame Abreise am Bahnhof Hagenow Land der Zug um 1232 Richtung Hamburg ist. Wir sitzen geschwind auf die Fahrzeuge auf, fahren gegen 1205 ab und erreichen den Bahnhof um 1220. Dort zeigt sich, dass die ganze Hetzerei umsonst war, da der Zug mit 13min Verspätung, davon 8min in Sichtweite des Bahnhofs wartend, ankommt.
Der Zug und die erste Klasse sind komplett belegt und ich darf mir mit einer afghanischen Großfamilie die Sitze teilen. Den Hauptbahnhof Hamburg erreichen wir um 1356. Der Anschlußzug ICE 881, den meine vier Kameraden und ich nehmen, hat auch Verspätung, so daß die Weiterfahrt gesichert ist. Ich habe gegenüber den Kameraden eine Reservierung und muß daher meinen Platz nicht aufgeben.
Abfahrt gegen Süden um 1410 bei sonnigen Wetter. W. steigt in Hannover um, da er nach Löhne muß, A. verläßt uns in Kassel und K. bleibt bis Nürnberg. Verabschiede dort den langjährigen Kameraden. In Ingolstadt Hbf komme ich um 1905 an.


Wolfgang Reitzer, OSG d. Reserve

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